Die Schüler sind gut vorbereitet
Podiumsdiskussion mit Landtagskandidaten im Gymnasium auf der Insel Nonnenwerth
Von Victor Francke
REMAGEN. Die Schüler zeigten sich gut präpariert. Die Kandidaten zur rheinland-pfälzischen Landtagswahl des Wahlkreises 13 – Remagen, Sinzig, Verbandsgemeinde Bad Breisig und Verbandsgemeinde Brohltal – waren es allerdings auch. Auf Einladung der Oberstufenschüler des Gymnasiums Nonnenwerth waren sie auf die Insel gekommen, um den Erstwählern Rede und Antwort zu stehen. “Warum sollen wir Sie wählen?” fragten die beiden Moderatoren der Diskussion, die Schülersprecher Lea Droste und Jan Rademacher. Beate Reich (SPD), Staatssekretärin im Landesjustizministerium, konnte da gleich eine ganze Palette an Antworten anbieten. Insbesondere ging sie aber auf die Schul- und Bildungspolitik ein: “Die Einführung von Ganztagsschulen ist ein gesellschaftliches Bedürfnis. Wir haben die Einführung seinerzeit versprochen, und wir haben unser Versprechen gehalten. Wir stehen für Gebührenfreiheit im Bildungsbereich. Die SPD will, dass dies auch so bleibt.”
Die FDP will das übrigens nicht. Jessica Frömbgen, 21-jährige Kandidatin der Liberalen, sagte: “Wir fordern einen Hochschulbeitrag.” Gleichwohl sprach sich die in Bonn studierende Jungpolitikerin für Chancengleichheit aus: “Jeder, der studieren will, soll das auch können.” Eveline Lemke, Spitzenkandidatin der Grünen bei der Landtagswahl und Landesvorstandssprecherin ihrer Partei, setzte den Akzent zunächst auf die Umweltpolitik. Dank der Grünen hätten Erneuerbare Energien inzwischen einen besonderen Stellenwert im Wirtschaftsleben. Zahlreiche Arbeitsplätze seien auf diesem Sektor geschaffen worden. “Das wollen wir fortsetzen”, sagte Lemke, deren Partei derzeit nicht im Landtag vertreten ist. Nach aktuellen Umfragen werden die Grünen jedoch auf einen Stimmenanteil von 16 Prozent taxiert und ziehen somit nach fünfjähriger Pause sicher wieder in das Mainzer Parlament ein. Nicht unerwähnt ließ Eveline Lemke, dass die Grünen gegen Atomkraft seien und für eine “andere Verkehrspolitik” einstehen wollen. Den Schülern rief sie zu: “Wir stehen für eine junge, moderne Politik.”
Joachim Titz (CDU) hatte da einen etwas schwereren Stand. Er kandidiert nicht für den Landtag, sondern vertrat auf Nonnenwerth Guido Ernst, der nicht zur Diskussionsveranstaltung anreisen konnte. “Der Staat lebt nur durch Beteiligung”, sagte Titz, Kreistagsmitglied und Beigeordneter in Remagen, an die Jugendlichen adressiert. Er warb insbesondere für die Spitzenkandidatin der Union, Julia Klöckner: “Sie wird frischen Wind in die Landespolitik bringen”, ist sich der Kommunalpolitiker sicher. Nie zuvor habe er erlebt, dass eine Kandidatin “so gut” ankomme.
Die Schüler hatten sich offenbar mit Landespolitik beschäftigt. vorbereitet. So wurde Beate Reich mit dem für ihr Ministerium unangenehmen Vorgang um die Ernennung des Präsidenten am Oberlandesgericht Koblenz konfrontiert. Bekanntlich hatte Justizminister Heinz Georg Bamberger seinen Favoriten für die Position durchgesetzt und bekam vom Bundesverfassungsgericht bescheinigt, mit der Ernennung die Verfassung gebrochen zu haben. Die Schüler sprachen von einer “Ohrfeige” für die Landesregierung. Nürburgring oder auch die CDU-Parteispendenaffäre waren weitere Themen, die angerissen wurden. Eveline Lemke: “Der Wähler ist gut in der Lage, sich über die Skandale ein eigenes Bild zu machen.” Die Nonnenwerth-Schüler sind es auch. Allerdings kommen 60 Prozent von ihnen aus Nordrhein-Westfalen und dürfen somit im März in Rheinland-Pfalz gar nicht wählen.


