RZ Bad Neuenahr-Ahrw. vom Samstag, 3. September 2011
Rat Blockheizkraftwerk mitten in der Stadt erhält 46,5 Meter hohen „Auspuff“ – Behindert die Höhe des Kamins die Rettungshubschrauber?
Von unserem Mitarbeiter Jochen Tarrach
Kreisstadt. Ein Schornstein, 46,5 Meter hoch, bereitet der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler und ihrer geplanten Energiewende einige Probleme: Denn den werden die Ahrtalwerke für ihr geplantes Blockheizkraftwerk auf dem städtischen Betriebshofgelände zwischen Peter-Joerres-Gymnasium und Krankenhaus „Maria Hilf“ errichten. Er gehört zum Blockheizkraftwerk (BHKW) mit drei Modulen und einer Gesamtfeuerungswärmeleistung von 18,4 MW. Die dazu nötige Veränderung des Bebauungsplanes wurde dennoch mit großer Mehrheit angenommen.
Dass ein Schornstein zum BHKW dazugehört, diesen Gedankengang hatte der Rat bislang wohl etwas vernachlässigt. Doch in der jüngsten Sitzung wurde munter diskutiert. Denn in der vierten Änderung des Bebauungsplanes „Dahlienweg“ war vorgesehen, dass die dem BHKW dienenden Pufferspeicher eine Höhe von 20 Metern nicht überschreiten dürfen und die Schornsteinanlage nicht höher als 47 Meter werden darf.
Rosenkranzkirche ist 60 Meter hoch
Zum Vergleich: Der Turm der Rosenkranzkirche in der Telegrafenstraße ist 60 Meter hoch. Insbesondere die FDP-Fraktion vermisste eine PC-Visualisierung des BHKW mit seinem Schornstein, um die Höhenverhältnisse zur Umgebung mit Gymnasium und Krankenhaus genau abschätzen zu können. FDP-Mann Hellmut Meinhoff kritisierte, dass durch die Änderung des Bebauungsplanes Fakten geschaffen werden sollen, die nachher nicht mehr zu ändern seien: „Wusste man nicht vorher, was für ein monströser Schornstein da gebaut werden muss?“
Der Erste Beigeordnete Detlev Koch erklärte, dass sich die technische Ausführungsplanung noch in der heißen Phase befände und eine Visualisierung deshalb erst zur nächsten Sitzung möglich sei. Der notwendige Schornstein sei keine ästhetische Meisterleistung, sondern eine Frage des Umweltschutzes. Die entstehenden Abgase müssten in einer entsprechenden Höhe abgegeben werden, um ihre Verteilung zu gewährleisten. Auch Elisabeth Graff (SPD) erklärte, dass sie sich nur aus einer Draufsicht die Proportionen des Schornsteins nicht recht vorstellen könne. Wolfgang Schlagwein (Bündnis 90/DieGrünen) zeigte sich nicht überrascht von den Konsequenzen eines BHKW: „Ein Schornstein gehört dazu. Schließlich ist ein Kamin in entsprechender Höhe besser als viele kleine Schornsteine auf Häusern.“ Erschrocken über die Höhe des Kamins zeigte sich Hans Boes (FWG): „Das Bauwerk wird noch Haken und Ösen haben.“ Die Wärmeversorgung müsse ein Vorteil für die Bürger sein, keine Belastung. Konsequenzen könne die Kaminhöhe auch für die Hubschrauber haben, die das Krankenhaus anflögen. Christop Kniel (CDU) erinnerte daran, dass die Gründung der Ahrtalwerke eine von allen getragene Grundsatzentscheidung gewesen sei. Man werde dafür sorgen müssen, dass alles so erträglich wie möglich gestaltet werde.
Chef Orthen spricht ein Machtwort
Bürgermeister Guido Orthen sprach quasi das Wort zum Sonntag: „Wer die Energiewende ernsthaft möchte, der muss wissen, dass wir uns mit einem 46,5 Meter hohen Schornstein ebenso auseinandersetzen müssen wie mit einem 135 Meter hohen Windrad.“


