Tafel erinnert an jüdisches Leben
RZ Bad Neuenahr-Ahrw. vom Samstag, 31. März 2012
Gedenken- Private Initiative ist mit ihrem Projekt auf der Zielgeraden – Foto vom Friedhof fehlt noch
Von unserem Redakteur Frieder Bluhm
Gelsdorf. Schon bald soll am Jüdischen Friedhof in Gelsdorf eine Gedenktafel an das durch den Holocaust erloschene jüdische Leben im zweitgrößten Ortsteil der Gemeinde Grafschaft erinnern. Das vor drei Jahren in privater Initiative entstandene Projekt der weit über den Kreis Ahrweiler hinaus bekannten Judentum-Expertin Annemarie Müller-Feldmann aus Bad Neuenahr-Ahrweiler und vieler engagierter Bürger, darunter einige Handwerker aus der Region, steht damit vor seinem Abschluss.
Das einzige, was noch fehlt, ist ein altes Foto, das den Friedhof vor 1938 zeigt. Doch auch da sind die Projekt-Initiatoren Annemarie Müller-Feldmann und die Grafschafter Journalistin Christina Steinheuer inzwischen optimistisch. „Wir sind auf der Zielgeraden und freuen uns, dass wir nach jahrelangen vergeblichen Hinweisen auf eine fehlende Gedenktafel an diesem besonderen Ort nun nach mehr als drei Jahren intensiver Vorbereitung selbst und mit viel Hilfe aus der Bürgerschaft für Abhilfe sorgen“, sagt Steinheuer.
Auch die Finanzierung steht. Worauf die beiden Frauen stolz sind: Das Projekt ist komplett aus privaten Mitteln finanziert. Es kommt ohne einen einzigen Cent Steuergelder oder öffentliche Zuschüsse aus. Steinheuer und ihr Ratskollege im Grafschafter Gemeinderat, Hartmut Wüst aus Karweiler, sowie der FDP-Kreisvorsitzende Ulrich van Bebber aus Remagen haben Spenden gesammelt. „Das ist auch ein Zeichen gegen das Vergessen. Gerade auch vor dem Hintergrund zunehmender rechtsradikaler Umtriebe im Kreis Ahrweiler ist das eine vorbildliche Aktion, die man einfach nur unterstützen kann“, meint van Bebber.
Die erste urkundliche Erwähnung eines Gelsdorfer Juden namens Hirtz stammt aus dem Jahr 1585. 1723 werden jüdische Familien namens Hirtz und Levi erwähnt, die als Metzger und Händler tätig waren. Die letzte Beisetzung auf dem Jüdischen Friedhof fand 1938 statt. Bereits 1811 gab es eine Synagoge, einen kleinen Betraum im Wohnhaus einer Witwe, 1861 kauften die Gelsdorfer Juden dann einen Teil des südwestlichen Flügels vom Gelsdorfer Schloss und bauten diesen zur Synagoge um. Die Umrisse der Fenster sind noch heute im Mauerwerk erkennbar.
Der Friedhof ist wesentlich älter: Es gibt Quellen, die bereits 1609 einen jüdischen Friedhof in Gelsdorf erwähnen. Anhand einer Beerdigungsliste sowie den noch auf dem Friedhof befindlichen 13 Grabsteinen lassen sich mindestens 29 Bestattungen ab 1881 nachweisen. „Wie viele es außerdem noch waren, und wie viele es in den Jahrhunderten davor waren, bleibt wohl unklar“, vermutet Annemarie Müller-Feldmann.
RZ Bad Neuenahr-Ahrw. vom Samstag, 31. März 2012





