Stadtrat gibt grünes Licht für Kultur- Projekt

Stadtratsmitglieder besuchten den Humboldt-Turm: (von rechts) Amélie Reinke, Ulrich van Bebber sowie die aktuellen Mandatsträger (links) Jens Huhn und Christina Steinhausen. Klaus Schmidt-Thomé und seine Gattin Bettina (mitte)
Stadtratsmitglieder besuchten den Humboldt-Turm: (von rechts) Amélie Reinke, Ulrich van Bebber sowie die aktuellen Mandatsträger (links) Jens Huhn und Christina Steinhausen. Klaus Schmidt-Thomé und seine Gattin Bettina (mitte)

FDP-Politiker freuen sich mit Investor

 

Eine schwere, aber glückliche Geburt war das Kultur-Projekt Humboldt-Turm, das nun die letzte Hürde, den Stadtrat Remagen, passiert hat. Dr. Klaus Schmidt-Thomé kann sein Lebenswerk, in das er sehr viel Herzblut gesteckt hat, fortführen.

 

Die Änderung des Bebauungsplans bezüglich des Humboldt-Turms hat Anfang Juni den Stadtrat mit großer Mehrheit passiert. Neben FDP und SPD, die das Projekt seit Jahren wohlwollend begleiten, fand es auch Zustimmung bei der FBL, der CDU sowie bei Wolfgang Seidler, Dr. Peter Wyborny und Helena Cornelia van Wijk

Wie alles begann: Im August 1985 hat Dr. Klaus Schmidt-Thomé nach vierjähriger Vorbereitung den Humboldt-Turm von Hannibal von Lüttichau erworben. Das Gemäuer, das damals noch nicht unter Denkmalschutz stand, war in einem desolaten Zustand, und die Landschaft um ihn herum war völlig verwildert. Schmidt-Thomé nahm mit dem Denkmalschutz Kontakt auf, um die geplante Komplettsanierung und Wiederherstellung der alten Parkanlage abzustimmen. 1988 wurde ihm über die Denkmalpflege ein maroder Pavillon angeboten, der in einem privaten Gartengelände einer denkmalgeschützten Villa in Vallendar stand und dem Verfall preisgegeben war. Für eine symbolische D-Mark erwarb er den Pavillon mit der Verpflichtung, ihn zu restaurieren und am Turm aufzustellen. Es folgte die aufwändige Komplettsanierung des Turmes, bei der bis auf die Außenwände praktisch der gesamte Innenbereich in Abstimmung mit der Denkmalpflege erneuert werden musste. Außerdem übernahm Schmidt-Thomé die Sanierung der Brücke, die Bestandteil der alten Wegeführung von der Villa vom Rath unten am Rhein hinauf zum Turm ist.

 

Ebenso wurde begonnen die alte Parkanlage mit Wegeführung zu rekonstruieren. Um im Brandfall Löscharbeiten auch im Winter bei Frost zu gewährleisten, wurde ein großer Löschteich erstellt, der durch seine über drei Meter Tiefe über ausreichend viel Wasser verfügt, um im Brandfall sowohl für den Humboldt-Turm als auch für den Pavillon zur Verfügung zu stehen. Es wurde ein Abfallwasserkammersystem installiert, und der Turm wurde auf einen modernen technischen Stand gebracht. Durch die räumliche Enge im Turm begann Schmidt- Thomé in den 90er Jahren auf den Fundamenten ehemaliger Duschanlagen, die aus der Zeit des Turmes als Jugendherberge, also den 30er Jahren stammten, ein Außengebäude zu errichten, um Gerätschaften und Fahrzeuge unterstellen zu können.

 

Eine Ausstellung im Frühjahr 2014 in den Werkhallen in Oberwinter wurde schließlich zum Schlüsselerlebnis für seine aktuellen Pläne. Der Hamburger Künstler Jochen Hein hatte ausgestellt und wurde, wie viele Künstler vor ihm, von Familie Schmidt-Thomé auf den Turm eingeladen. Bei dieser Gelegenheit wurde die Idee geboren, eine Möglichkeit auch für andere Künstler zu schaffen, um sich mit der Rheinromantik auseinander zu setzen. Neben der schriftlichen Zustimmung des Bonner Oberbürgermeisters Nimptsch (später auch seines Nachfolgers Sridharan) für die Anfahrt über Bonn erreichte Schmidt-Thomé auch die Zustimmung des Ortsbeirats, insbesondere weil er zugesagt hatte, keine Ausstellungen, Konzerte oder ähnliches für die Künstler auf seinem Gelände durchführen zu wollen. Im April 2019 befürwortete der Bauausschuss das Projekt, und im Mai 2019 stimmte der Stadtrat einstimmig bei sechs Enthaltungen für die Änderung des Bebauungsplans.

 

Als im März 2020 der nicht vollzählige Bauausschuss mit sechs zu vier Stimmen bei drei Enthaltungen plötzlich gegen das Projekt stimmte, verstand Schmidt-Thomé die Welt nicht mehr. Was war passiert? Eine Kommunalwahl hatte die politischen Mehrheitsverhältnisse verändert. Die Grünen, die schon immer gegen das Vorhaben waren, wollten es kurzerhand stoppen, fanden dafür aber in der entscheidenden Stadtratssitzung Anfang Juni 2020 dann doch keine Mehrheit. Redner von FBL, CDU, SPD und FDP unterstrichen, dass man so mit langjährigen Investoren in der Kommunalpolitik nicht umgehen sollte. „Der Zweck, etwas für Künstler und die Rheinromantik tun zu wollen, ist eine gute Sache, den Turm und die Anlage unter Einbeziehung des Denkmalschutzes zu erhalten, ist ehrenwert und sollte in der Politik Unterstützung finden“, so Christina Steinhausen, Vorsitzende der FDP- Fraktion. Zusammen mit Stadtratskollege Jens Huhn sowie ihren liberalen Vorgängern im Stadtrat Ulrich van Bebber und Amélie Reinke, die die FDP noch heute im Seniorenbeirat vertritt, hatte sie sich den Turm und die Anlage vor Ort angesehen, Pläne und Akten gewälzt sowie Kontakte geknüpft. „Wir Liberale sehen die Chance, die das Projekt mit sich bringt. Für uns überwiegt das Positive. Wenn, dann hätte sich die Kommunalpolitik zu Beginn des Projekts negativ entscheiden müssen. Etwas nach so vielen Jahren plötzlich auf der Zielgeraden stoppen zu wollen, wäre unseriös und hätte dem Ansehen der Politik geschadet, denn Investoren wie Bürger verlangen vom Politik-Betrieb Verlässlichkeit und Planbarkeit.“ Durch den Vertrag mit der Stadt Remagen ist im Übrigen jeglicher Nutzungsmissbrauch der Gästewohnungen mit einer Vertragsstrafe von 5.000 Euro je Einzelfall belegt.

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